Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Peer-to-Peer-Fundraising
Jesper Juul Jensen
CEO
Min to read
Der Begriff Crowdfunding wird oft sehr ungenau verwendet und dabei häufig mit Peer-to-Peer-Fundraising verwechselt. Beide Konzepte werden nicht selten gleichgesetzt oder synonym verwendet. Bei BetterNow sehen wir immer wieder, dass Organisationen mit viel Engagement eine dieser Methoden einsetzen – jedoch mit enttäuschenden Ergebnissen, weil die Unterschiede nicht klar sind.
Dieser Abschnitt soll dabei helfen, die beiden Ansätze voneinander abzugrenzen und zu verstehen, wann welcher sinnvoll ist.
Was ist Crowdfunding?
Crowdfunding beschreibt das Sammeln von Spenden bei einer grossen Anzahl von Menschen, die jeweils kleinere Beträge geben, um gemeinsam ein konkretes Projekt zu finanzieren. Häufig geht es dabei um Vorhaben, die erst umgesetzt werden können, wenn ein bestimmter Betrag erreicht ist.
Wenn Crowdfunding gut umgesetzt ist, entsteht oft eine starke Eigendynamik. Eine Kampagne muss dafür kein weltweites Internetphänomen werden – auch im kleineren Rahmen kann sie sich erfolgreich verbreiten. Entscheidend ist, dass Unterstützer die Kampagne aktiv teilen und so neue Spender gewinnen.
Im Idealfall sorgt jeder Spender dafür, dass mindestens eine weitere Person spendet. So kann die Kampagne theoretisch unbegrenzt wachsen. In der Praxis lässt diese Dynamik jedoch oft schnell nach, und die Kampagne verliert an Schwung.
Crowdfunding-Kampagnen arbeiten häufig mit Anreizen oder Gegenleistungen. Je nach Spendenhöhe erhalten Unterstützer bestimmte Vorteile. Diese können materiell sein, aber auch immateriell – etwa Anerkennung oder Sichtbarkeit.
Der Startimpuls kommt in der Regel von der Organisation selbst. Sie bringt die Kampagne in ihr Netzwerk ein. Ob und wie stark sie sich weiter verbreitet, hängt von der Qualität dieses Netzwerks und davon ab, wie gut die Kampagne kommuniziert ist. Letztlich entscheidet die Umsetzung von Kommunikation und Marketing darüber, ob eine Kampagne an Reichweite gewinnt.
Crowdfunding: Die Organisation erstellt die Kampagne und verbreitet sie in ihrem bestehenden Netzwerk. Die ersten Spender teilen sie weiter mit ihren eigenen Kontakten – so entsteht ein Schneeballeffekt, der im Idealfall zu einer viralen Verbreitung führt.
Was ist Peer-to-Peer-Fundraising?
Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Peer-to-Peer-Fundraising ist vielschichtig. Der wichtigste liegt jedoch darin, wie die Reichweite aufgebaut wird.
Beim Peer-to-Peer-Fundraising mobilisieren Sie Ihre bestehende Unterstützerbasis, um neue Spender zu gewinnen. Ihre Unterstützer übernehmen dabei einen grossen Teil der eigentlichen Arbeit. Das lässt sich gut mit klassischen Haustürsammlungen vergleichen – nur digital. Viele der gleichen Prinzipien und Fähigkeiten kommen hier zum Einsatz.
Im Gegensatz zum Crowdfunding richten sich Anreize und Belohnungen häufig an die Personen, die Spendenaktionen starten – nicht an die Spender. Das können beispielsweise Merchandise-Artikel, Eventtickets oder Startplätze bei Sportveranstaltungen sein.
Die Aufgabe der Organisation besteht darin, diese Unterstützer zu gewinnen, zu aktivieren und ihnen die richtigen Werkzeuge und das nötige Wissen an die Hand zu geben, damit sie erfolgreich Spenden sammeln können.
Peer-to-peer- fundraising: Die Organisation gewinnt und schult Unterstützer, die eigene Spendenaktionen starten. Diese verbreiten ihre Aktionen in ihrem persönlichen Umfeld und sammeln dort Spenden.
Zusammenfassung der Unterschiede zwischen Crowdfunding und Peer-to-Peer-Fundraising
Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen zusammen:
Crowdfunding
Peer-to-Peer-Fundraising
Potenzial
Theoretisch unbegrenzt, in der Praxis abhängig von der Qualität der Kampagne.
Begrenzt durch die Grösse und Qualität des persönlichen Netzwerks der Unterstützer.
Wer mobilisiert die Masse?
Die Organisation und die virale Weiterverbreitung.
Einzelne Unterstützer.
Aufgabe der Organisation
Kommunikation und die erste Verbreitung im eigenen Unterstützer- und Mitgliederkreis.
Unterstützer gewinnen und ausstatten.
Anreize und Belohnungen
Können Spendern gegeben werden.
Können Unterstützern gegeben werden.
Spendenzweck
Konkrete Vorhaben oder Projekte.
Allgemeine Zwecke.
Zeitrahmen
Kampagnenorientiert und zeitlich begrenzt.
Entweder ganzjährig oder an ein bestimmtes Event gebunden.
Wann Sie welche Methode einsetzen sollten – 4 einfache Faustregeln
Wie die obige Übersicht zeigt, unterscheiden sich Crowdfunding und Peer-to-Peer-Fundraising in einigen zentralen Punkten. Entsprechend eignen sich die beiden Ansätze für unterschiedliche Ziele. Die folgenden Faustregeln helfen bei der Einordnung:
Regel 1: Wenn Sie zweckgebundene Spenden vermeiden möchten – setzen Sie auf Peer-to-Peer-Fundraising
Spenden im Peer-to-Peer-Fundraising entstehen häufig aus der persönlichen Beziehung zwischen Spender und Unterstützer. Der konkrete Zweck steht dabei weniger im Vordergrund als beim Crowdfunding.
Deshalb eignet sich Peer-to-Peer-Fundraising besonders gut als dauerhafte Aktivität über das ganze Jahr hinweg – und nicht nur für einzelne Kampagnen.
Regel 2: Wenn Ihr Anliegen schwer zu erklären ist, starten Sie eher mit Crowdfunding
Beim Peer-to-Peer-Fundraising müssen Unterstützer Ihre Geschichte selbst weitergeben. Dafür brauchen sie ein klares Verständnis und einfache Botschaften.
Ist Ihr Spendenzweck komplex oder erklärungsbedürftig (z. B. neue Therapieformen oder institutioneller Aufbau), wird es für viele Unterstützer schwierig, dies überzeugend im eigenen Umfeld zu vermitteln.
Da die Kommunikation beim Peer-to-Peer-Fundraising stark dezentral erfolgt, ist dieser Ansatz auch weniger geeignet für sensible Themen – etwa mit politischem oder ethischem Kontext.
Regel 3: Wenn Ihr Anliegen emotional leicht zugänglich ist, eignet sich Peer-to-Peer-Fundraising besonders gut
Einige Themen lösen sofort eine emotionale Reaktion aus – oft, weil Menschen persönliche Erfahrungen damit haben. Das gilt besonders für Gesundheitsbereiche wie Krebs, Multiple Sklerose oder Herzkrankheiten.
Solche Themen lassen sich leicht weitererzählen und sind auf persönlicher Ebene gut nachvollziehbar.
Menschen mit eigener Erfahrung – sei es durch Betroffenheit oder Engagement – sind oft besonders starke Unterstützer. Deshalb sind diese Themen ideal für Peer-to-Peer-Fundraising.
Regel 4: Wenn Sie eine kleine Organisation mit wenig bestehenden Kontakten sind – starten Sie mit Crowdfunding
Crowdfunding kann dabei helfen, überhaupt erst eine Unterstützerbasis aufzubauen. Peer-to-Peer-Fundraising hingegen setzt in der Regel voraus, dass bereits ein Netzwerk vorhanden ist.
Zwar können auch neue Unterstützer gewonnen werden, doch das gelingt meist nur über besondere Anlässe oder Kampagnen mit hoher Attraktivität.
Wenn Ihre bestehende Datenbank noch klein ist, sollten Sie daher zunächst auf Crowdfunding setzen.
Loslegen
Mit BetterNow können Sie direkt mit Peer-to-Peer-Fundraising starten. Wenn Sie feststellen, dass Crowdfunding besser zu Ihrem Vorhaben passt, finden Sie mit BetterNow Crowdfunding ebenfalls die passende Plattform.
Laden Sie den vollständigen Leitfaden herunter und erfahren Sie, wie Sie P2P-Spender langfristig halten – und sie zu Mitgliedern oder regelmäßigen Spendern weiterentwickeln.